URLAUB à la RÜGEN August - September 2021

Anzeigenspezial Ostseebad Binz & die Granitz | 31 MACHT Urlaub Dauerausstellung: „MACHTUrlaub“ – mit täglichem Dokumentarfilm (30 Min.) „Von Prora hinter die Fronten – Vergessene Opfer deutscher Polizeibataillone“ – eine Ausstellung des Dokumentationszentrums Prora „Baustelle Prora – Die Pläne“ – eine Werkausstellung des Dokumentationszentrums Prora Sonderausstellungen: bis 15.08.: „KZ Uckermark“ – eine Ausstellung der Hamburger Gruppe der Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark bis 20.08.: „Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung“ – Internationale Bildungs- und Begegnungswerk gGmbH (IBB Dortmund, Internationale Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ Minsk (IBB Minsk) in Zusammenarbeit mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas ab 27.08.: „Das Reichsarbeitsministerium 1933-1945. Beamte im Dienst des Nationalsozialismus“ – eine Ausstellung der Stiftung Topographie des Terrors Dokumentationszentrum Prora e.V. Dritte Straße 4, im Zentrum der Anlage 18609 Prora · Telefon: 038393/13991 · www.prora.eu Öffnungszeiten: Führungen: täglich 11.15 und 14 Uhr und nach Anmeldung Aug.: 9.30 - 19 Uhr • Sep.: 10 - 18 Uhr (letzter Einlass eine Stunde vor Schließung) Café mit Kuchen, Kaffee & kleinem Imbiss-Angebot, ab 11 Uhr Ausstellungen zur NS- und DDR-Geschichte Proras Historische Geländerundgänge, mehrstündige Wanderungen und Erkundungstouren mit dem Fahrrad Filmvorführungen und Buchverkauf Bildungsangebote für Jugendliche und Erwachsene Staatlich anerkannte Einrichtung der Weiterbildung Fünfte Str. 6 bei der Jugendherberge 18609 Prora Nord Tel.: 038393-127921 Mobil: 01520-8553184 Bushaltestelle (Prora Jugendherberge) oder DB-Bahnhof Prora PRORA-ZENTRUM www.prora-zentrum.de Mai - Okt.: tgl. 10 - 18 Uhr Nov.-Apr.: Mo - Fr 10 - 16 Uhr Große und kleine Tüftler können in der Galileo Wissenswelt (s. S. 5) ihr Geschick testen. Technik- freunde und Oldtimerliebhaber kommen im Oldtimer Museum ins Schwärmen. Wer mehr zur wechselvolle Geschichte Proras erfahren will, der wird in den Aus- stellungen des PRORA-ZENTRUMs, und des Doku- mentationszentrums (beide s. S. 31) fündig. Geführte Geländerundgänge, Filmvorführungen und wech- selnde Sonderausstellungen runden das Angebot ab. Bis heute ist Prora eines der monumentalsten Zeug- nisse unserer Zeit. Auf knapp 4,5 km Länge ballen sich über 8 Jahrzehnte abwechslungsreicher Bau- und Nutzungsgeschichte, zwei politische Systeme haben hier ihre Spuren hinterlassen. Doch fangen wir am Anfang an: In der NS-Zeit soll Prora ein großes Seebad für 20.000 Urlauber werden. Damals heißt die Anlage noch „Kraft-durch-Freude- Seebad Rügen“, der Name „Prora“ hat sich erst später etabliert, als aus den unfertigen KdF-Bauten einer der größten Militärstandorte der DDR wird. Der Entwurf für das Seebad stammt vornehmlich vom Architekten Clemens Klotz. Acht Bettenhäuser – die heutigen Blöcke – sind in erster Reihe am Strand vorgesehen, dazwischen ein zentraler Festplatz mit Kaianlage. Der 5 km lange Komplex soll dem deut- schen Arbeiter zu günstigen Preisen die „wahre Erholung“ verschaffen und ihn „nervenstark“ für den kommenden Krieg machen. Der Startschuss fällt am 02. Mai 1936 mit der Grund- steinlegung, der Grundstein ist allerdings bis heute verschollen. Nach den Feierlichkeiten wird die Bau- stelle eingerichtet, auch die Bahnstrecke Lietzow- Binz mit Haltestellen in Prora stammt aus dieser Zeit. Ab 1938 nehmen die Bauten dann nach und nach Gestalt an, das Seebad wird zu einer der Großbau- stellen im Dritten Reich. Die Propaganda läuft auf Hochtouren. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges tritt auch auf Rügen zügig der Baustopp ein. Mensch und Material werden für den Krieg gebraucht, die Roh- bauten sollen nach dem versprochenen „Endsieg“ fertiggestellt werden. Zum Teil schon fertige Ange- stelltensiedlungen werden zu Ausbildungsquartie- ren, das Areal für „kriegswichtige Zwecke“ genutzt. Doch der Kriegsverlauf ändert auch die Pläne für Prora. Mit Kriegsende gehört Rügen zur Sowjetischen Besatzungszone, die Rohbauten werden zu begehrten Baustoffquellen, auch für die Bevölkerung. Der ur- sprünglich südlichste Block, in direkter Nachbarschaft zu Binz, verschwindet in dieser Zeit vollständig. Durch den beginnenden Kalten Krieg und der Wieder- aufrüstung in Ost und West wird Prora schließlich als Militärstandort interessant. Ab 1952 beginnt der Ausbau, fünf Rohbauten werden fertiggestellt, einer davon, der heutige Block 1 (die Zählung verläuft von Süd nach Nord) wird Ferienheim für Armee- angehörige. Die letzten beiden nördlichen Gebäude bleiben unvollendet und sind später Truppenübungs- platz. Der Strand sowie das Areal der heutigen Natur- erbefläche werden militärisches Sperrgebiet. Mit Gründung der NVA ist Prora ab 1956 Standort für Landstreitkräfte. Über 10.000 Soldaten sind hier zu Spit- zenzeiten stationiert. Es kommt zu mehrfachen Um- strukturierungen, Einheiten kommen und gehen. Eine erste Lehreinrichtung für Unteroffiziere etabliert sich in den 1960er Jahren, 1981 folgt die DDR-weit erste Offiziershochschule für ausländische Kader. Militäran- gehörige aus Mosambik, Nicaragua, Kuba und anderen Staaten werden hier ausgebildet. Im nördlichen Block 5 sind bis in die frühen 1980er Fallschirmjäger statio- niert, mit den Ruinen nebenan als Übungsgelände. Mit Einführung der allgemeinen Wehrpflicht sind seit 1962 auch Wehrdienstleistende in Prora. Der Standort ist unter ihnen für seinen Drill verschrien, das Motto „Drei Worte genügen – nie wieder Rügen“ wird zum geflügelten Wort. Ab 1964 kommen die sogenannten Bausoldaten hinzu. Sie müssen auf dem Gelände u.a. Truppenübungsplätze anlegen und andere Bautätig- keiten ausführen. Im Rahmen der Wehrpflicht ist der waffenlose Bausoldatendienst die einzige Alternative. Einen zivilen Ersatzdienst gibt es trotz mehrfacher Ein- forderung bis zum Mauerfall nicht, Totalverweigerung wird mit Gefängnis bestraft. Wer sich aus Glaubens- und Gewissensgründen für den Bausoldatendienst entscheidet, muss allerlei Nachteile in Kauf nehmen, da Waffendienstverweigerer als Staatsfeinde in Uni- form betrachtet werden. Viele von ihnen schließen sich später der Oppositionsbewegung an. 1982 wird Prora zum größten Bausoldatenstandort in der DDR. Nach dem Abzug der Fallschirmjäger ziehen mehrere hundert Bausoldaten in den Block 5. Sie müssen beim Bau des Fährhafens in Mukran mitarbeiten, um eine direkte Seeverbindung zwischen der DDR und der Sowjetunion zu schaffen. Mit dem Mauer- fall 1989 werden die letzten Bausoldaten doch noch im zivilen Bereich eingesetzt, nach der Wiederver- einigung gibt es keinen Bausoldatendienst mehr. Etwa 15.000 Bausoldaten hat es insgesamt in der DDR gegeben. Rainer Eppelmann, der nach dem Mauerfall zum Minister für Abrüstung und Verteidigung in der letzten DDR- Regierung wird, ist ebenfalls ehemaliger Bausoldat. Die Geschichte hat zuweilen ihren ganz eigenen Humor. 1990 übernimmt die Bundeswehr den Standort, 1992 erfolgt die Auflösung und Übergabe des Areals an das Bundesvermögensamt. Kurz darauf wird die Anlage unter Denkmalschutz gestellt und bleibt in der Folgezeit überwiegend ungenutzt. Einige Jahre später folgt der Entschluss, die einzelnen Blöcke zu veräußern. Bis auf den Block 5 mit der Jugend- herberge, der zu 1/3 Eigentum des Landkreises ist, gehört die Anlage heute privaten Investoren und ist größtenteils bereits zu modernen Wohn- und Ferien- anlagen saniert. Ein neues Kapitel in Proras Geschichte ist gerade dabei, geschrieben zu werden. © Uta Selig

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